Talkshow 12. Dezember 2014 club night

Günter Steckkönig
Mit Besenstilen und Grillschalen zum Sieg...
Jahresabschlussfeier des SR mit Erzählungen des Rennfahrers


Impressionen vom 12. Dezember 2014

Bei seiner traditionellen Jahresabschlussfeier am 12. Dezember 2014 im Kulinarium am Solitudering schaute der SR auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Nachdem Vorstand Hans-Peter Koch den Abend eröffnete und zahlreiche prominente Gäste begrüßte, darunter Gründungsmitglied Herbert Linge und die Ehrenmitglieder Kurt Ahrens, Dieter Glemser und Hans Mezger, berichtete Vorstandsmitglied Gerald Just über die Clubaktivitäten des vergangenen Jahres, die wohl sehr viel Anklang gefunden haben. Nicht nur deshalb durfte er mit Stolz verkünden, dass in den vergangenen 12 Monaten 31 neue Mitglieder in den Verein eingetreten sind.
Humorvolle Erzählungen von Günter Steckkönig aus seinem Rennfahrerleben ließen das SR-Jahr 2014 stilvoll ausklingen

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch der 77-jährige Stuttgarter Rennfahrer Günter Steckkönig, der überaus amüsant Geschichten aus seiner aktiven Zeit zum Besten gab. Vom VW Käfer über einen NSU TT zum Porsche 356 waren seine ersten Stationen. Begegnungen mit Rudi Golderer, Hans Herrmann, Karl Kling und Herbert Linge halfen ihm bei seinem Fortkommen als Rennfahrer und als Motorentechniker bei Porsche in Zuffenhausen. Als Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein in den sechziger Jahren die Formel V von USA nach Deutschland "importierte", war Steckkönig für den Aufbau und den Fahrversuch der Fahrzeuge verantwortlich. Unter seiner Regie wurden die deutschen Formel V bald so konkurrenzfähig, dass sie die sieggewohnten Amerikaner klar distanzieren konnten. Den Durchbruch als Rennfahrer schaffte er, als der Porsche 914 wettbewerbsfähig gemacht werden sollte und vom Werk in Langstreckenrennen eingesetzt wurde. Steckkönig fungierte nun als Werksfahrer und Spezialist für diesen als "Volksporsche" bezeichneten Mittelmotor-Sportwagen, der es von Anfang an schwer hatte, als echter Porsche zu gelten. Beim Marathon de la Route im August 1970, einem 86-Stunden Non-Stop-Rennen auf dem Nürburgring, bewies der kleine Porsche mit einem Dreifachsieg, was in ihm steckte. Steckkönig fuhr dabei mit seinem Wagen auf Platz zwei.

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Bei der Rallye Monte-Carlo 1971 wollte Porsche den Gesamtsieg aus dem Vorjahr wiederholen, diesmal aber aus Marketinggründen mit dem 914, anstatt mit dem 911. Das war die Nagelprobe und die ging leider schief. Waldegaard landete als bester der 914er auf Platz drei hinter zwei, allerdings nagelneuen und bärenstarken 1600er-Renault-Alpine. Günter Steckkönig beklagt heute, dass dies wohl das Aus für den an sich sehr wettbewerbsfähigen Porsche 914 war, denn die Presse ließ anschließend kein gutes Haar mehr an ihm. Porsche schickte niemals mehr einen 914 ins Rennen.

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Für den damals 35-jährigen Porsche-Techniker eröffnete sich aber eine andere Perspektive: Paul-Ernst Strähle baute einen 914/6 GT auf und wollte ihn 1971 in Rennen einsetzen. Steckkönig bekam vom jovialen Schorndorfer einen Vertrag und seine Anekdoten, die er über diese Begegnungen erzählte, ernteten schmunzelndes Nicken, zumindest bei denen, die das Remstäler Urgestein noch persönlich kannten.

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Für Steckkönig folgten in den siebziger und achtziger Jahren immer wieder sporadische Einsätze bei Langstreckenrennen, so auch in Le Mans. Seine Motorenerfahrung konnte er dabei gelegentlich eindrucksvoll ausspielen. Etwa als er, wissend, dass sich der Zahnriemen bei einem 24-Stunden-Rennen sehr plötzlich verabschieden und damit einen kapitalen Motorschaden hervorrufen kann, nur mit passendem Werkzeug und einem Besenstil ins Cockpit begab, was von herumstehenden Journalisten nur mit Kopfschütteln quittiert wurde. Als es aber tatsächlich soweit war und Steckkönig verdächtige Geräusche hörte, hielt er sofort an und holte den Besenstil aus dem Cockpit. Den brauchte er nämlich zur Aufstellung und Fixierung der Motorhaube. Dann machte er sich daran, den Zahnriemen zu wechseln. Wofür Werkstätten einen halben Tag brauchen, schaffte er in gerade mal 18 Minuten. Die SR-Gäste an diesem Abend spendeten ihm auch dafür Anerkennung mit tosendem Beifall.

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Als sich in den achtziger Jahren die Auffassung durchsetzte, dass man Rennreifen vorgewärmt aufzieht, um gleich in der ersten Runde auf Betriebstemperatur zu sein, beobachte Günter Steckkönig Absonderliches im Fahrerlager. Mit primitiven Mitteln wurde versucht, die Reifentemperatur vor dem Start zu erhöhen. Ein Konkurrent legte seine Reifen gar in eine mitgebrachte Grillpfanne und erhitzte sie von außen mit Gasflammen. Was tut man nicht alles, um ein paar Sekunden zu gewinnen... Günter Steckkönig hatte das nicht nötig. Durch beherzte Fahrweise waren seine Reifen auch ohne Vorwärmung nach ein paar Kurven auf Betriebstemperatur.

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Es war ein sehr unterhaltsamer Abend an diesem 12. Dezember 2014. Dieter Röscheisen unterlegte die Erzählungen des Rennfahrers immer wieder mit Fotos aus seinem Laptop. Anschließend zeigte noch Paul Ernst Strähle junior einige Filme, die sein Vater bei den großen Rennschlachten aus dieser Zeit gedreht hatte. Steckkönig kommentierte. Und nur zu gerne ließen sich die SR-Gäste wieder einmal in die goldene Zeit des Rennsports zurückversetzen.

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